5.9.16 - Ein Jahr als Bundesfreiwilliger - Marcel berichtet

Marcel gibt Einblicke zu seinem Jahr als "Bufdi"

Mit der Stelle als Bundesfreiwilliger, kurz genannt "Bufdi", bestritt der TTC im vergangenen Sommer gänzlich neue Wege. Mit Marcel Drayer trat ein Eigengewächs aus dem Verein diese neu geschaffene Stelle an und beendete sein Jahr in der vergangenen Woche. In einem Interview mit Schriftführer Fabian Hoch berichtet der 19-Jährige u.a. über seine Erlebnisse, Erfahrungen und Zukunftsplanungen. Der Klub dankt Marcel für sein tolles Engagement und freut sich natürlich auch weiterhin nach Abschluss dieser zwölf Monate von seinem Wissen und Tatendrang in anderer Funktion profitieren zu können.

Hallo Marcel, ein Jahr als Bundesfreiwilliger beim TTC liegt hinter dir. Gib uns doch mal einen Einblick wie für dich die letzten zwölf Monate verlaufen sind. Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen solch ein Jahr als "Bufdi" einzulegen und mit welchen Zielen und Erwartungen bist du im September 2015 in dieses Abenteuer gestartet?
M.: Während meiner Schulzeit musste ich mich entscheiden, wie meine Zukunft aussehen würde. Meine Interessen lagen immer im Sportlichen sowie in Mediendesign. So wollte ich eigentlich immer den Beruf des Mediendesigners ausüben, ggf. auch studieren. Jedoch entschied ich mich nach meinen bestandenen Prüfungen am BSZ in Waldkirch ein Jahr Pause vom Schulbankdrücken einzulegen und ein FSJ oder BFD zu absolvieren. Als der Verein Wind davon bekam, kamen Sie auf mich zu, ob ich dies nicht bei Ihnen ausführen möchte. Schnell war klar, dass es ein BFD-Jahr beim TTC sein wird. Obwohl ich davor schon als Trainer/Spieler im Verein tätig war, fühlte es sich zu Beginn neu an.

Bekanntlich hast du dich sehr intensiv um den Nachwuchs im Verein gekümmert und dich engagiert eingebracht. Erzähl uns doch einmal wie so dein ungefährer Wochenablauf aussah und welche Aufgaben dein Jahr beim TTC vorsahen.
M.: Wenn ich nicht auf Seminaren war, hatte ich fünf-, sechsmal Training die Woche, wo ich als Trainer tätig war. Zudem hatte ich eine Kooperation mit der Kindertagesstätte St. Anna, wo ich zweimal vormittags Bewegungsschulungen und die Hinführung zum Tischtennis mit den Kindern ausübte. Ich war als Mannschaftsführer von zwei Nachwuchsmannschaften tätig, bei denen ich am Wochenende auch die Spielbetreuung übernahm. Darüber hinaus betreute ich weitere Teams bei den Heimspielen. Wenn große Turniere anstanden, war ich auch hier als Coach gefragt und im Einsatz. Abseits von den Tischen kümmerte ich mich um die Homepage oder kleine handwerkliche Tätigkeiten.

Wer hat über die Aufgabengebiete von dir entschieden? Hatten die Vereinsverantwortlichen hier freie Hand oder spielten auch noch andere Entscheidungsträger eine Rolle?
M.: Im Großen und Ganzen durfte die Vorstandschaft, bzw. meine Vertrauensperson Berthold Streifeneder, welcher im Verein Jugendwart ist und mit dem ich ganz viel zusammengearbeitet habe, über meine Aufgabengebiete entschieden. Allerdings gab es auch gewisse Vorschriften vom Träger dem DTTB (Deutscher Tischtennis Bund). So hatte ich eine 39,5 Stunden Arbeitswoche bei der ich für jegliche Zwecke eingesetzt werden konnte, welche der Allgemeinheit des Vereins dienten.

Abgesehen von deinen Stunden rund um den TTC waren etliche Seminare und andere Events vom DTTB organisiert worden und im festen Programmablauf. Was waren hier die Highlights, besonderen Momente und die Dinge, die du gelernt hast?
M.: Alle Seminare waren sehr gut organisiert und informativ, mitunter auch das politische Seminar, welches wir durch das Bundesamt vorgeschrieben bekamen. Highlights hierbei waren das gemeinsame Mittagessen mit der Nationalmannschaft im DTTZ, wo Weltklassespieler wie Dimitrij Ovtcharov oder Petrissa Solja am Nebentisch saßen. Des Weiteren das Seminar im Rahmen der German Open in Berlin, bei dem wir zum Teil zuschauen und mitwirken durften. Allgemein die Erkundungen der vielen neuen Städte, in denen die Seminare stattgefunden haben. Ein besonderer Moment für mich war auch erstmals gegen eine Rollstuhl fahrende Tischtennisspielerin zu spielen, welche auch ein BFD absolvierte und im Moment bei den Paralympics in Rio dabei ist. Ich durfte nicht nur gegen Sie spielen, sondern auch sie durch den Seminaralltag begleiten, dadurch lernt man nicht nur den Sport neu kennen, sondern auch sein Leben, die Gesundheit und vor allem der Wille und die Hoffnung wertzuschätzen. Ich zolle ihr meinen höchsten Respekt und ich finde es schade, dass wir diesen Sportlern meiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit zeigen, bzw. schenken denn sie bringen größere Leistungen. Nichtsdestotrotz drücke ich Ihr die Daumen und werde es so gut es geht per Livestream verfolgen. Auch in der Kindergartenkooperation lernte ich viel über Kinder und deren Entwicklung. Somit habe ich nicht nur Erfahrungen in Sachen Tischtennis gesammelt, sondern auch für mich und meinen weiteren Lebensweg.

Was für Mitstreiter hattest du in deiner Gruppe und hatten diese in ihren Vereinen dieselben Herausforderungen zu meistern wie du?
M.: Meine Mitstreiter kamen deutschlandweit von Tischtennisvereinen, -Stützpunkten, -Verwaltungsstellen oder waren im -Internat tätig. Somit waren manche auch mit Verwaltungsarbeiten, Hausarbeiten und Nachmittags-, bzw. Hausaufgabenbetreuung beschäftigt. Diejenigen, die so wie ich im Verein tätig waren hatten meistens so wie ich auch Kooperationen mit Kindergärten oder Schulen.

Was nimmst du aus diesen zwölf Monaten mit und wem würdest du solch ein Jahr als "Bufdi" empfehlen?
M.: Auf jeden Fall neue viele neue Erfahrungen, einige Bekanntschaften, die bis hin zu Freundschaften geworden sind, zusätzliches Knowhow, welches ich durch das BFD dazugelernt habe und nun ins Training und in meinen Alltag einbauen werde. Einblicke in das tiefe Vereinswesen und vieles mehr... Allen die sich nach der Schulzeit nicht sicher sind, wie es weitergehen soll und die trotz allem etwas Sinnvolles für sich und deren Mitmenschen tun wollen. Für die, welche ein Jahr ganz im Zeichen Tischtennissport verbringen möchten und dadurch deren Engagement auf mehr als ein Hobby erweitern möchten.

Zum Abschluss natürlich noch die Frage, wie geht es nun bei dir weiter und hat dich dieses Jahr auch in deiner Entscheidung beeinflusst?
M.: Ich bin nach meinem BFD-Jahr noch bis Ende September in der KiTa St. Anna tätig, weil sie mir durch die Zeit sehr ans Herz gewachsen ist. Ab Oktober werde ich dann mein Studium in Freiburg zum Thema Soziale Arbeit antreten, da mir die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sehr gut gefällt. Somit hat dieses Jahr schon etwas mit meiner Entscheidung zutun. Sportlich gesehen werde ich dem Verein so gut es geht treu bleiben und weiterhin, nicht in dem Pensum wie im Vorjahr, aber in abgespeckter Version Training geben. Darüber hinaus werde ich eventuell noch weitere Trainerstellen annehmen.

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